Erweiterung Städel Museum, Frankfurt am Main
Erweiterung Städel Museum, Frankfurt am Main
Erweiterung Städel Museum, Frankfurt am Main
Fotos: Kirsten Bucher, Frankfurt am Main / Marc Jacquemin, Frankfurt am Main
Titel:Erweiterung Städel Museum, Frankfurt am Main
Ort:Frankfurt am Main
Architekten:schneider+schumacher, Frankfurt am Main
Bauherr:Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt am Main

 

Juryvotum

Es zählt zu den heitersten Architekturfotos überhaupt: das Bild eines Picknicks vor dem Städel Museum in Frankfurt am Main. Jung und Alt sitzen vergnügt auf dem sich zu einem Hügel aufwölbenden, durch Kreisflächen gerasterten Rasen. Erinnerungen an die Punkt-Arbeiten von John Armleder oder an Daniel Burens Intervention im Park des Palais Royal in Paris werden wach. Doch der Grasteppich, dessen Lochmuster perfekt zur strengen neuklassizistischen Gartenfassade des Städels passt, ist kein Kunstwerk, sondern das grüne Dach des neuen Ausstellungstrakts.

Das vom Semper-Schüler Oskar Sommer 1878 am südlichen Mainufer errichtete Städel Museum erlebte 1921 mit dem Gartenflügel und 1990 mit Gustav Peichls Westflügel bereits bedeutende Erweiterungen. Im Herbst 2007 führte dann der Wunsch nach einem Neubau für die Gegenwartskunst zur Ausschreibung eines internationalen Wettbewerbs, den die Frankfurter Till Schneider und Michael Schumacher für sich entscheiden konnten. Statt ganz naheliegend die von Gartenflügel, Peichl-Bau und Städelschule u-förmig gerahmte Grünfläche mit einem neuen Trakt an der Dürerstraße zur Hofrandanlage zu schließen, schlugen sie eine unterirdische, die offene Situation respektierende Erweiterung vor.

Um Katakomben-Atmosphäre zu vermeiden, waren zwei Punkte entscheidend: die Besucherführung und die Lichtregie. Schneider + Schumacher fügten ihren Museumstrakt direkt an den Altbau an und erschlossen ihn ganz logisch über die vom Haupteingang ausgehende Symmetrieachse. Beim Aufstieg zu den Ausstellungsgeschossen öffnen sich auf dem ersten Treppenabsatz zwei helle Rundbogengänge, die abwärts weisen ins silberglänzende Metzler-Foyer. Dort führt eine skulpturale, in Terrazzo gegossene Freitreppe weiter hinab in den 48 mal 55 Meter großen neuen Saal, dessen wie genoppt wirkende Decke sich zur Mitte hin aufwölbt. Die sechs bis acht Meter hohe wolkenweiße Grotte empfängt gefiltertes Tageslicht durch 195 ungleich schräg gestellte Bullaugen, die im Bereich der zentralen Flachkuppel größer werden. Hier tragen zwölf Stützen das perforierte Dach. Sie sind fast unsichtbar, weil sie in die Stellwände eingebunden sind, mit denen die weite Halle von Kühn Malvezzi labyrinthisch unterteilt wurde.

Der Gartensaal genannte Trakt bereichert das Städel Museum um eine formal, funktional und ökologisch neuartige Architektur. Seine äußere Erscheinung ordnet sich dem Stadtbild unter und verweigert sich dem allgemeinen Trend zum spektakulären Solitär, ohne auf eigenen Ausdruck zu verzichten. Und die bis auf die Decke ganz neutrale Halle bietet trotz unterirdischer Lage ideale Bedingungen für die Präsentation zeitgenössischer Kunst.

Laudator: Dr. Roman Hollenstein

www.schneider-schumacher.de

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