Olympiapark München. Anlagen und Bauten für die Olympischen Spiele 1972
Olympiapark München. Anlagen und Bauten für die Olympischen Spiele 1972
Olympiapark München. Anlagen und Bauten für die Olympischen Spiele 1972
Fotos: Presseamt München / Christian Kandzia, Stuttgart
Titel:Olympiapark München. Anlagen und Bauten für die Olympischen Spiele 1972
Ort:München
Architekten:Behnisch & Partner, Stuttgart (weitere Beteiligte: siehe unten)
Bauherrin:Olympiabaugesellschaft mbH, München

 

Juryvotum

Mit dem Ensemble zu den Olympischen Spielen 1972 hat sich die junge Bundesrepublik Deutschland als eine freie Gesellschaft einen gebauten Ausdruck gegeben, der weltweit große Anerkennung erfahren hat. Das Brillante am Olympiapark ist die herausragende Architektur des damals mit fast 75.000 Quadratmetern größten Zeltdachs der Welt und dessen Einbettung in eine wunderbar bewegte Parklandschaft – den renaturierten Olympiapark. Unter dem transparenten, mit Plexiglas bedeckten Dach befinden sich das Olympiastadion, die Olympiahalle und die Olympiaschwimmhalle.

Als gebauter Ausdruck politischer Repräsentation ist seit dieser Zeit in Deutschland nichts Vergleichbares mehr geschaffen worden. Zudem zeugt das Olympiagelände von dem großen Vertrauen, das die politischen Auftraggeber den jungen Architekten, Ingenieuren, Landschaftsarchitekten und Grafikdesignern entgegengebracht haben. Insgesamt kann die Entstehungsgeschichte dieses Baukomplexes als eine besonders glückliche Fügung in der Geschichte Deutschlands gesehen werden. Auf allen Ebenen konnte der Welt gezeigt werden, dass Deutschland nichts mehr mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Olympiade 1936 in Berlin zu tun hat.

Nach wie vor wirken Olympiapark und Olympiadach zeitlos schön und sind – im Gegensatz zu vielen anderen Olympiastätten weltweit – mit Leben gefüllt. Mit dieser hohen Wertschätzung durch die Bevölkerung erfüllen die Münchner Sportstätten das Kriterium der ästhetischen Nachhaltigkeit wie kein anderes Bauwerk unserer jüngeren Vergangenheit. Daher ist die Würdigung durch die erstmals verliehene „Klassik-Nike“ eine wichtige Entscheidung, die vielleicht nicht überrascht, aber auf diese Weise die außergewöhnlich hohe und in all den Jahren der Nutzung bewährte Qualität des Olympiadachs und des Olympiaparks hervorheben möchte.

Diese außerordentliche geistige und architektonische Leistung ist jedoch in ihrer Existenz durch die geplante Bebauung in den Randbereichen des Olympiaparks bedroht. Daher ist die Auszeichnung mit der „Klassik-Nike“ auch als politisches Zeichen zu verstehen, um die herausragende Bedeutung des Olympiageländes für München wie auch als nationales Symbol zu betonen.

Laudator: Peter Cachola Schmal

Architekten: Behnisch & Partner, Stuttgart/München (Günter Behnisch, Fritz Auer, Winfried Büxel, Erhard Tränkner, Karlheinz Weber – Wettbewerb mit Jürgen Joedicke, Stuttgart), Landschaftsgestaltung mit Günther Grizmek, Kassel/München, Überdachung der Hauptsportstätten: Behnisch & Partner, Stuttgart, Frei Otto, Warmbronn, Leonhardt + Andrä mit Jörg Schlaich, Stuttgart, Visuelles Erscheinungsbild: Otl Aicher, Ulm/Rotis

www.olympiapark.de

 

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